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Fast jedes zweite Schulkind braucht therapeutische Unterstützung

Hagen, den 27.02.2010

Rund die Hälfte der Schulkinder hat schon zumindest einmal therapeutische Unterstützung bekommen. Zu diesem Schluss kommt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Demnach hat jedes vierte Kind zwischen sechs und 18 Jahren Sprachtherapie (Logopädie) erhalten, fast jedes fünfte Ergotherapie und ebenso viele Kinder waren bei der Krankengymnastik. Mindestens eins von zehn Kindern wurde psychotherapeutisch betreut. Zudem ergab die Umfrage, dass Mädchen deutlich häufiger betroffen sind, nur knapp 40 Prozent der therapierten Kinder waren Jungen.

"Erfreulicherweise gibt es inzwischen sehr gute Möglichkeiten, Kinder mit Entwicklungsproblemen therapeutisch zu unterstützen. Dass mittlerweile aber fast jedes zweite Schulkind therapieerfahren ist und diese Tendenz sogar zunimmt, ist bemerkenswert. Es wirft die Frage auf, ob wir den Kindern in ihrem Alltag ausreichend Anreize und Raum geben, sich zu entwickeln", sagt York Scheller, Psychologe bei der TK zu den Zahlen.

"Fernsehkinder" häufiger betroffen

Die TK-Umfrage ergab zudem, dass der Anteil der Kinder, die täglich mehr als zwei Stunden fernsehen, unter Kindern mit Therapieerfahrung größer ist als unter Schülern, die ohne professionelle Hilfestellung groß werden. "Sprechen lernt man nicht vor dem Fernseher. Für die sprachliche - und natürlich auch motorische Entwicklung - ist es wichtig, dass die Kinder sich und ihre Umwelt im richtigen Leben wahrnehmen. Dafür ist der Austausch mit anderen, die soziale Interaktion ganz wesentlich", so Scheller. "Unsere Umfrage zeigt jedoch, dass gerade die Kinder, die heiltherapeutische Hilfe benötigen, seltener mit Freunden spielen als andere. Was für unsere Generation noch selbstverständlich war, sich nach Schule und Hausaufgaben mit Gleichaltrigen zu treffen, gilt heute offensichtlich für immer weniger Kinder. Dabei ist genau dies für sie so wichtig"

Auch im Bereich der Psychotherapie sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. So sind in Österreich rund 100.000 Kinder und Jugendliche manifest arm. 14 bis 18 Prozent davon zeigen psychische Auffälligkeiten. Der Versorgungsgrad für Behandlungen sei extrem gering, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz des Bundesverbandes für Psychotherapie in Wien. "Wir gehen davon aus, dass es einen Bedarf für Psychotherapie bei 2,1 bis fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen gibt", so Eva Mückstein, Präsidentin des Verbandes.

Der Versorgungsgrad liegt laut Mückstein bei 0,3 Prozent - und nur die Hälfte dieser 0,3 Prozent sind kassenfinanziert. Die andere Hälfte ist auf die geltende Zuschussregelung durch die Krankenkassen angewiesen. Sie zahlen pro Psychotherapie-Einheit 21,80 Euro, eine Einheit kostet 80 Euro. Rund 60 Euro Aufzahlung pro Stunde können sich jedoch gerade arme Familien nicht leisten

Quelle: Pressetexte

> dhe <

Ressort: Aktuelles | 27.02.10 von dennis | Artikel Drucken | 0 Leserbriefe

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